Ein Wort zu elektronischen Okarinas

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Okarinas werden oft als einfach zu spielende Instrumente vermarktet, und in mancher Hinsicht sind sie es auch. Sie haben ein einfaches Griffsystem, und es ist leicht, einen Ton mit der Okarina zu erzeugen. Aber in anderer Hinsicht ist das Spielen dieses Instruments technisch anspruchsvoll. Es gibt viele versteckte Details, und Intuition allein führt oft zu schlechten Lösungen.

Der Marketingansatz funktioniert jedoch, weil er ein wahres Element enthält. Okarinas sehen einfach aus, und Sie können schon nach kurzer Zeit etwas spielen, das Sie kennen. Aber auf lange Sicht neigt dieser Ansatz dazu, Ihnen als lernender Person Steine in den Weg zu legen.

Eine elektronische Okarina könnte intuitive Elemente wie das Griffsystem behalten und diejenigen automatisieren, die für gewöhnlich Probleme verursachen. Dadurch könnten die Fallen für neue Spieler reduziert werden.

Eine elektronische Okarina könnte zum Beispiel:

  • das englische Griffsystem für Vier-Loch-Okarinas als Grundlage verwenden, das aufgrund seiner einfachen Handhabung für kleine Kinder oft intuitiv ist.
  • Die Stimmungsfehler beseitigen, die dem Design der Okarina innewohnen.
  • den Blasdruck der Lautstärke statt der Tonhöhe zuordnen.

Auf diese Weise hätten Sie ein Instrument, das in einer Gruppe mit wenig Erfahrung viel einfacher zu spielen wäre und dennoch einen guten Klang erzeugen würde. Ein solches Instrument könnte auch mit Kopfhörern gespielt werden, und eine lernende Person müsste sich nie Sorgen machen, andere zu stören. Im Vergleich dazu sind akustische Okarinas laut, und Dämpfungsversuche lassen sie meistens schlecht klingen.

Es lohnt sich auch, die Flexibilität zu berücksichtigen, die elektronische Instrumente bieten. Ihre Reaktionsweise wäre nicht festgelegt, und die Druckempfindlichkeit könnte erhöht oder gesenkt werden, um verschiedenen Vorlieben oder neuen Spielern gerecht zu werden. Die Designflexibilität könnte auch die Ergonomie für Kinder oder Menschen mit kleinen Händen erheblich verbessern, da das physische Design eines elektronischen Instruments nicht durch die Physik eingeschränkt wäre.

Ich glaube aber nicht, dass sich die Idee einer elektronischen Okarina darauf beschränken muss, ein Lehrmittel zu sein. Aus der Sicht eines seriösen Instruments sind viele Aspekte der Okarina schwierig zu bewältigen. Zum Beispiel:

  • Okarinas haben einen sehr begrenzten Tonumfang.
  • Wie eine Okarina auf Änderungen des Blasdrucks reagiert, variiert stark entlang ihres Tonumfangs. Ein konsistentes Vibrato erfordert bei den hohen Noten eine viel größere Druckänderung als bei den tiefen Noten.
  • Zwei Daumenlöcher sind eine ergonomische Herausforderung.

Wenn die Nichtlinearität des Drucks reduziert oder beseitigt und der Tonumfang erweitert würden (indem vielleicht das Überblasen nachgeahmt würde, das auf anderen Instrumenten möglich ist), während der rechte Daumen nur zur Unterstützung verwendet würde, wäre das Spielen viel einfacher. Vielleicht denken Sie, dass das Instrument dadurch zu einfach würde, aber das ist nicht so. Die Menschen haben nur eine begrenzte Anzahl an ›Klugheitsbohnen‹. Wenn die grundlegende Aufgabe des Spielens einfacher ist, wird die obere Grenze für das Spielgeschick angehoben.

Die Idee einer elektronischen Okarina ist nicht neu, und es gibt zahlreiche Beispiele für elektronische Instrumente, die als Hobbyprojekte hergestellt werden. Diese Designs verwenden kapazitive Touchpads und ermöglichen die Durchführung von Tonhöhen-Gleiten, je nachdem, wie viel von dem Pad bedeckt ist. Ich denke, dass dieses Konzept viel weiter entwickelt werden kann, als es bisher der Fall war. Wenn genügend Aufwand hineinfließt, kann meiner Einschätzung nach ein sehr taugliches Instrument daraus entstehen.

Ideen für die Umsetzung

Der Ton der Okarina ähnelt einer reinen Sinuswelle mit einigen Obertönen und etwas Rauschen. Ich glaube nicht, dass es so schwierig wäre, ihn realistisch zu synthetisieren. Die Herausforderung läge wahrscheinlich in der Modellierung von Details, zum Beispiel der leichten Änderungen des Klangs, die durch die Ausführung des Zungenschlags und den Atemdruck am Anfang der Note verursacht werden.

Ein weiterer Faktor besteht darin, dass weniger Informationen verfügbar sind. Akustische Blasinstrumente reagieren zum Beispiel empfindlich auf die Beschattung von Löchern, während kapazitive Flächen nur Kontakt erkennen, soweit ich weiß.

Elektronische Instrumente können mit solchen Details im Allgemeinen schlecht umgehen, obwohl dies in erster Linie am fehlenden Forschungs­aufwand liegt und sicherlich gelöst werden kann. Es gibt zum Beispiel Näherungssensoren und sehr realistisch klingende VST-Synthesizer für viele andere Instrumente.

Da ich bereits viel Zeit in die Entwicklung akustischer Okarinas investiert habe, habe ich jedoch nicht die Absicht, diese Idee weiterzuentwickeln; somit bleibt sie dem Leser als Chance überlassen. Vermutlich wäre selbst eine einfache elektronische Okarina unter der Idee einfach zu spielen sogar leichter zu vermarkten, da sie der Wahrheit näher käme. Es ist bereits bekannt, dass diese Idee prinzipiell funktioniert, da das Videospiel The Legend of Zelda: Ocarina of Time mit seinem virtuellen Instrument im Wesentlichen dasselbe tut.

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