Die Griffsysteme von Mehrkammer-Okarinas

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Wenn Sie eine Mehrkammer-Okarina betrachten, denken Sie vielleicht als Erstes: Zu viele Löcher! Aber die Griffe sind viel einfacher als sie aussehen.

Wie der Name andeutet, haben Mehrkammer-Okarinas mehrere Kammern, von denen jede einen kleinen Teil des Gesamttonumfangs zur Verfügung stellt. Jede Kammer hat ihre eigenen Löcher und wird im Wesentlichen wie ein separates Instrument gespielt.

In der folgenden Abbildung zeigen der Bereich 1 die Löcher der ersten Kammer und der Bereich 2 jene der zweiten Kammer usw. Es macht keinen Unterschied, ob Sie eine Okarina mit zwei oder drei Kammern spielen. Sie können die Löcher ignorieren, die auf Ihrem Instrument nicht vorhanden sind.

The physical layout of a multichamber ocarina. The first chamber is almost identical to a single chamber ocarina, with holes for the left and right hand positioned opposite each other. Additional chambers are added to the right hand, which extend the range upwards, usually having about 4 holes per chamber. Up to 3 additional chambers can be added. These chambers are additive, meaning that the second chamber on a triple ocarina is the same as the second chamber on a double, although exact fingerings do vary between makers

Wie bei der Einzelkammer-Okarina ist das Griffsystem der Mehrkammer-Okarinas linear aufgebaut. Um eine Tonleiter von der tiefsten bis zur höchsten Note zu spielen, würden Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Sie beginnen mit der ersten Kammer und öffnen die Löcher in einer linearen Reihen­folge.
  • Sobald Sie die höchste Note erreicht haben, wechseln Sie mit den Fingern auf die zweite Kammer. Sie schließen alle Löcher und öffnen sie linear weiter.
  • Und so weiter, bis zur letzten Kammer.

Stimmsysteme

Wie in Mehrkammer-Okarinas und ihre Stimmsysteme besprochen wurde, gibt es verschiedene Systeme zur Stimmung von Mehrkammer-Okarinas. Am häufigsten kommen das sogenannte Vicinelli- oder asiatische System sowie das Pacchioni-System vor. Das asiatische System konzentriert sich auf die Maximierung des Tonumfangs, während das Pacchioni-System den Komfort der Spieler in den Vordergrund stellt.

Innerhalb eines Stimmsystems sind die Kammern additiv. Eine Dreikammer-Okarina ist also nur eine Zweikammer-Okarina mit einer dritten Kammer. Das bedeutet, dass die Griffe für die zweite Kammer der Dreikammer-Okarina identisch mit jenen einer Zweikammer-Okarina mit demselben Stimmsystem sind. Aufgrund körperlicher Einschränkungen der Hand werden Ihnen in der Praxis nicht mehr als vier Kammern begegnen. Zwei- und Dreikammer-Okarinas sind jedoch weitaus häufiger.

Alle Kammern außer der ersten werden ausschließlich mit der rechten Hand gespielt und haben Löcher, die von den vier Fingern bedeckt werden. Diese Löcher können jeweils aus einem einzelnen Loch oder aus zwei Löchern bestehen, die von einem Finger bedeckt werden, wie ein geteiltes Loch.

Da diese Details zwischen den Stimmsystemen variieren, zeigt das vorherige Diagramm nur ein Loch pro Finger auf jeder Kammer. Auch Nebenlöcher sind nicht dargestellt. Wenn eine Mehrkammer-Okarina Nebenlöcher hat, verhalten sie sich genauso wie die Nebenlöcher einer Einzelkammer-Okarina.

Die Darstellung aller Löcher einer Mehrkammer-Okarina benötigt viel Platz, deshalb zeige ich jeweils nur die Griffe für eine einzelne Kammer, um die Bilder auf dem Handy darstellbar zu halten. Dabei werden keine Informationen ausgelassen, da in der Regel nur eine Kammer gespielt wird.

Erste Kammer

Unabhängig davon, ob eine Okarina das asiatische oder das Pacchioni-Stimm­system verwendet, sind die Griffe der ersten Kammer fast die gleichen wie bei einer Einzelkammer-Okarina, mit wenigen Unterschieden aufgrund des Wegfalls des rechten Daumenlochs.

Die höchste Note dieser Kammer wird vom linken kleinen Finger gespielt. Da es kein rechtes Daumenloch gibt, spielt der linke Daumen ein D und der kleine Finger spielt D♯ (Dis). Dies geschieht, um das Loch für den kleinen Finger nicht zu groß werden zu lassen. Das E wird auf der zweiten Kammer gespielt.

Beachten Sie, dass hier nur die Griffe gezeigt werden, die sich von jenen auf einer Einzelkammer-Okarina unterscheiden. Die Griffe der tieferen Noten sind hingegen identisch.

The first chamber of a multichamber ocarina is almost, but not exactly the same as a single chamber ocarina. Notes up to left thumb D are the same, but multichambers do not have a right thumb hole, and the left pinky hole usually sounds a semitone higher than the left thumb hole, such as a D sharp on a C ocarina

Das Loch für den linken kleinen Finger ist manchmal einen Halbton höher auf E gestimmt, ähnlich dem italienischen Griffsatz, der dann eine Überlappung zwischen der ersten und der zweiten Kammer bietet. Es ist nicht üblich, weil das Loch für den kleinen Finger dadurch sehr groß wird, was ein Problem für Spieler mit kleinen Händen darstellt.

Höhere Kammern mit dem asiatischen System

Im asiatischen System führt die zweite Kammer direkt die Noten der ersten Kammer fort. Auf einem Instrument in C beginnt diese Kammer mit E und reicht bis zum nächsthöheren C. Die höchste Note kann auf zwei Arten bereitgestellt werden:

  • Durch ein geteiltes Loch für den rechten Zeigefinger: Durch Abdecken eines Lochs wird das H und durch Öffnen beider Löcher wird das hohe C gespielt, wie im Diagramm weiter unten dargestellt.
  • Mit einem Daumenloch in der zweiten Kammer, wobei der rechte Zeigefinger das H und der rechte Daumen das hohe C spielt.

Das geteilte Loch ist in gewisser Hinsicht vorzuziehen, denn es eliminiert das rechte Daumenloch, sodass der rechte Daumen ausschließlich zur Unterstützung des Instruments verwendet werden kann.

In diesen Diagrammen werden die Griffe vertikal dargestellt, wobei der unterste Kreis dem kleinen Finger und die beiden obersten dem Zeigefinger entsprechen.

The typical fingerings of the second chamber of an Asian multichamber ocarina. Fingerings have been converted to text by listing the holes covered. The index finger hole is split into two, and the other fingers are initialised:

E: I1 I2 M R P
F: I1 I2 M R
G: I1 I2 M
A: I1 I2
B: I1
C: (all open)

Da es so wenige Fingerlöcher für Kreuzgriffe gibt, sind Vorzeichennoten, die nur diese Löcher verwenden, schlecht gestimmt. Deshalb werden oft zusätzliche geteilte Löcher eingeführt. Das Loch für den Ringfinger (zweites Loch von unten) wird häufig geteilt, um das Fis zu spielen.

Die Griffe für Vorzeichennoten auf der zweiten Kammer sind unten gezeigt. Die Noten F und G sind ebenfalls enthalten, um den Zusammenhang mit dem geteilten Loch zu zeigen.

The typical fingerings of accidentals on the second chamber of an Asian multichamber ocarina. Fingerings have been converted to text by listing the holes covered. The index finger and ring finger holes are split into two, and the other fingers are initialised:

F sharp: I1 I2 M R1
G sharp: I1 I2 R1 P
A sharp: I1 R1 R2

Die dritte Kammer

Falls vorhanden, erweitert die dritte Kammer den linearen Bereich oberhalb der zweiten Kammer: vom hohen D bis A, wobei der genaue Umfang sowie die Griffe variieren. Einige Mehrkammer-Okarinas weisen ein Nebenloch auf der zweiten und/oder der dritten Kammer auf.

The typical fingerings of the third chamber of an Asian multichamber ocarina. Fingerings have been converted to text by listing the holes covered. The index finger hole is split into two, and the other fingers are initialised:

D: I M R P
E: I M R
F: I M
G: I
A: (all open)

Die vierte Kammer

Die vierte Kammer setzt, sofern vorhanden, dieses Muster auf dieselbe Weise fort.

The typical fingerings of the fourth chamber of an Asian multichamber ocarina. Fingerings have been converted to text by listing the holes covered. The index finger hole is split into two, and the other fingers are initialised:

B: I M R P
C: I M R
D: I M
E: I
F: (all open)

Das Pacchioni-System

Das Pacchioni-System stellt die Bequemlichkeit der Spieler in den Vordergrund und wurde ursprünglich semplice genannt, was auf Italienisch einfach bedeutet. Die Griffe für die verschiedenen Kammern sind weiterhin linear, weisen jedoch eine Überlappung auf, sodass einige Noten gleichermaßen auf benachbarten Kammern gespielt werden können.

Die zweite Kammer ist eine Oktave höher als die erste gestimmt. Die Griffe sind identisch mit jenen für die linke Hand auf der ersten Kammer, wobei die gleichen Noten eine Oktave höher klingen:

The second chamber of a Pacchioni system ocarina is tuned 1 octave above the first, and the fingerings are the same as the left hand of the first, sounding an octave higher. Fingerings have been converted to text by listing the holes covered. The index finger hole is split into two, and the other fingers are initialised:

C: I M R P
D: I M R
E: I M
F: I
G: (all open)

Zweikammer-Okarinas mit dem Pacchioni-System haben oft ein rechtes Daumen­loch, mit dem eine weitere diatonische Note gespielt werden kann. Bei einem Instrument in C erweitert dieses Loch den Tonumfang bis zum A. Dieses System wird als P*(P-Stern oder Pacchioni-Stern)-System bezeichnet. Dreikammer-Okari­nas mit dem Pacchioni-System haben kein rechtes Daumenloch, da die höheren Noten von der dritten Kammer bereitgestellt werden.

Diese Okarinas haben auch Nebenlöcher auf höheren Kammern; sie befinden sich an der Unterseite der Okarina zwischen den Klanglöchern. Sie werden mit dem linken Daumen bedeckt und verwendet, um einen Halbton unter dem Grundton der jeweiligen Kammer zu spielen.

Die dritte Kammer

Die dritte Kammer ist eine Quarte oberhalb der zweiten Kammer gestimmt, mit dem F als tiefster Note. Möglicherweise bemerken Sie eine Besonderheit in der Griffta­belle weiter unten, da die Note H als Kreuzgriff gespielt wird.

Eine ungewöhnliche Eigenschaft des Pacchioni-Systems ist, dass alle höheren Kammern die gleichen Griffsätze haben und die gleichen Intervalle erzeugen. Das Öffnen von Löchern nacheinander erzeugt immer die Intervalle: ganz, ganz, halb, ganz.

The third chamber of a Pacchioni system ocarina is tuned a fourth above the second chamber, and produces the same intervals with a linear fingering, so some notes are crossfingered. Fingerings have been converted to text by listing the holes covered. The index finger hole is split into two, and the other fingers are initialised:

F: I M R P
G: I M R
A: I M
B: M
C: (all open)

Die folgende Tabelle zeigt die chromatischen Griffe und die dazugehörigen Noten (die in allen höheren Kammern gleich sind) sowie die unteren Noten der ersten Kammer. Das kleine Loch in der oberen Reihe des Diagramms stellt das Nebenloch dar.

A diagram showing the fingerings of the higher chambers of a pacchioni system multichamber ocarina

Die vierte Kammer

Die vierte Kammer ist, falls vorhanden, eine Quarte höher als die dritte gestimmt und erweitert den Tonumfang um eine Quarte. Sie umfasst die gleichen Intervalle wie die anderen Kammern. Das bedeutet, dass die tiefste verfügbare Note in dieser Kammer ein A♯ (Ais/B) ist – eine Besonderheit, die sich aus dem Stimmsystem ergibt. Es ist möglich, das H mit dem Nebenloch zu spielen, obwohl es schwer zu erreichen ist. Deshalb wird das H vorzugsweise auf der darunterliegenden Kammer gespielt.

The fourth chamber of a Pacchioni system ocarina is tuned a fourth above the third chamber, and produces the same intervals with a linear fingering, so some notes are crossfingered. Fingerings have been converted to text by listing the holes covered. The index finger hole is split into two, and the other fingers are initialised:

A sharp: I M R P
C: I M R
D: I M
E: M
F: (all open)

Harmonien zwischen Kammern

Auch wenn der Hauptzweck transversaler Mehrkammer-Okarinas in der Erweiterung des Tonumfangs besteht, ist es manchmal möglich, Harmonien zwischen den Kammern zu spielen. Diese Möglichkeit hängt stark von der Stimmung eines bestimmten Instruments ab und sollte nicht als gegeben vorausgesetzt werden.

Bei einer Einzelkammer-Okarina zeigt sich aufgrund der Atemkurve ein bedeutender Druckunterschied zwischen der höchsten und der tiefsten Note. Ein G erfordert viel mehr Druck als ein tiefes C. Daher wären die Noten nicht harmonisch, auch wenn Sie zwei Einzelkammer-Okarinas gleichzeitig blasen könnten.

Dasselbe Problem tritt bei Mehrkammer-Okarinas auf, da jede Kammer eine eigene Atemkurve hat. Nur ein einzelnes Intervall kann so gestimmt werden, dass es zwischen den Kammern harmonisch klingt. Eine andere Kombination zu greifen, würde dazu führen, dass eine Note zu stark geblasen wird und zu hoch klingt.

Es ist möglich, die Harmonie bei der Herstellung einer Mehrkammer-Okarina in den Vordergrund zu stellen, indem alle Kammern für einen konstanten Atemdruck gestimmt werden. Dies würde jedoch dazu führen, dass die hohen Töne aller Kammern dünn und verrauscht klingen.

Bei einer Okarina, die für ein einzelnes Intervall konzipiert wäre, könnten die Griffe jenen im Diagramm weiter unten ähneln. Diese gelten sowohl für das asiatische als auch für das Pacchioni-System. Die klingenden Intervalle werden sich jedoch unterscheiden: eine Quinte oder ein Tritonus im asiatischen sowie eine Mischung aus großen und kleinen Terzen im Pacchioni-System.

Innerhalb jedes Taktes zeigt die linke Notengruppe das Intervall, das auf einer Okarina mit dem asiatischen System ertönt, während die rechte Notengruppe die Noten zeigt, die mit demselben Griff auf einer Okarina mit dem Pacchioni-System erklingen. Diese sind mit A und P gekennzeichnet.

A diagram showing fingerings and the notes produced for playing harmonies on both an Asian system and Pacchioni system double ocarina

Da das asiatische Stimmsystem ein größeres Intervall zwischen den Kammern hat (eine Dezime), bevorzugt es größere Intervalle wie Quinten, und die Anzahl der möglichen kürzeren Intervalle ist ziemlich klein. Im Pacchioni-System ist dies umgekehrt, da das kleinere Intervall zwischen den Kammern (eine Oktave) kleinere Intervalle wie Terzen bevorzugt.

Welche dieser Harmonien, wenn überhaupt, als akzeptabel gilt, variiert je nach Okarina. Selbst wenn eine Okarina in diesem Sinne hergestellt wurde, werden einige Intervalle stimmiger klingen als andere, da die sogenannte gleichstufige Stimmung, nach der Okarinas gestimmt werden, unvollkommen ist.

Es ist möglich, Fehler zu korrigieren, indem Löcher teilweise geöffnet oder beschattet werden oder indem einer der Windkanäle teilweise mit dem Rand der Lippen bedeckt wird.

In Bezug auf die Beschattung kann ein Nebenloch für die linke Hand auf der ersten Kammer hilfreich sein, das kleine Anpassungen der Tonhöhe des Instruments ermöglicht.

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