Griffartikulationen: Cuts und Strikes auf der Okarina spielen
Mit Cuts und Strikes können Sie Noten artikulieren, ohne den Luftstrom in Ihr Instrument zu unterbrechen. Um sie auszuführen, spielen Sie eine höhere (Cut) oder tiefere Note (Strike) so kurz, dass sie nicht als Note, sondern eher als Klick wahrgenommen wird.
Diese Cuts und Strikes werden als Griffartikulationen bezeichnet. Sie funktionieren mit denselben Techniken auf allen Okarinas, aber für die Demonstration in diesem Artikel habe ich die Griffe für eine Okarina in C angenommen. Für Okarinas in anderen Tonartstimmungen werden die gleichen Löcher verwendet.
Lassen Sie uns gleich mit einigen Strikes auf G beginnen:
- Greifen Sie ein G und blasen Sie mit normalem Atemdruck, als wollten Sie einen langen Ton spielen.
- Heben Sie den rechten Zeigefinger etwas höher, als Sie es beim Öffnen eines Lochs tun würden.
- Lassen Sie den Finger energisch in Richtung seines Lochs schnellen.
- Wenn Sie den Finger kurz vor der Berührung des Instruments vollständig entspannen, springt er ab und erzeugt einen sehr kurzen Klick.
Wenn Sie dies wiederholen, können Sie eine Reihe getrennter Noten spielen, ohne den Luftstrom in das Instrument zu ändern.
Da ein Strike eine Artikulation ist, sollte er rechtzeitig zu Beginn der Note durchgeführt werden. Versuchen Sie, eine Reihe von G-Noten zu einem Viertelnotenrhythmus zu artikulieren und Ihre Strikes genau auf den Takt zu legen.
Die Notation dieser Artikulationen ist ein etwas komplexeres Thema, da es dafür keine allgemeingültige Möglichkeit gibt. Für dieses Buch werde ich das Notationssystem von Grey Larsen verwenden, bei dem ein Strike durch einen kleinen Pfeil über einer Note angezeigt wird.
Mit dieser Notation würde die vorherige Übung wie folgt geschrieben:
Das bedeutet:
- Beginnen Sie die erste Note wie üblich mit dem Zungenschlag und verbinden Sie die drei folgenden Noten.
- Artikulieren Sie diese drei Noten durch einen Strike mit einem der verfügbaren Finger.
Strikes auf anderen Noten spielen
Strikes können mit jedem offenen Loch der gerade verwendeten Kammer gespielt werden, da das gesamte Kammervolumen der Okarina ständig oszilliert. Ich verwende für gewöhnlich folgende Griffe:
- Ein Strike auf D kann nur mit dem rechten kleinen Finger ausgeführt werden.
- E mit dem rechten Ringfinger.
- F mit dem rechten Ring- oder Mittelfinger.
- G mit dem rechten Zeigefinger.
- Auf allen höheren Noten spiele ich die Strikes fast immer mit dem rechten Zeigefinger.
- Auch auf den meisten Vorzeichennoten lassen sich Strikes spielen.
Im Grunde spielt der genaue Griff keine Rolle, also verwenden Sie einfach, was für Sie bequem ist.
Versuchen Sie, auf jeder Note vom tiefen D bis zum hohen F (oder auf den entsprechenden Noten einer Okarina in einer anderen Tonartstimmung) einen Strike zu spielen.
Es ist vielleicht interessant, dass die Griffe für Strikes auf der Okarina viel flexibler sind als auf Rohrblasinstrumenten wie der Querflöte oder der Tin Whistle. Bei Rohrblasinstrumenten kann nur das offene Loch unterhalb des untersten geschlossenen Lochs für einen Strike verwendet werden.
Absteigender Strike
Mit einem Strike können sie auch einen Übergang von einer höheren zu einer tieferen Note artikulieren, müssen jedoch zwei Dinge gleichzeitig tun:
- Sie müssen einen oder mehrere Finger senken, um die gewünschte Note zu spielen.
- Gleichzeitig müssen Sie einen Strike spielen, sodass der entsprechende Finger genau in dem Moment auf seinem Loch landet, in dem die anderen Finger es tun.
Die genaue Technik ist jedoch innerhalb des Tonumfangs unterschiedlich. Für G und höhere Noten kann die Aufgabe auf beide Hände aufgeteilt werden. Um etwa einen Strike von A nach G zu spielen, müssten Sie:
- Das A greifen.
- Zum G absteigen.
- Mit dem rechten Zeigefinger einen Strike durchführen, sodass der Finger sein Loch genau in dem Moment berührt, in dem das Loch für G geschlossen wird.
Auf diese Weise kann jedes absteigende Intervall bis oder oberhalb von G gespielt werden.
Wenn Sie auf einer Note unterhalb von G einen Strike spielen möchten, müssen Sie es mit zwei oder mehreren Fingern der rechten Hand tun. Wenn Sie etwa von G nach F absteigen und auf F einen Strike spielen,
- Schnellen sowohl der rechte Zeige- als auch der Mittelfinger nach unten.
- Wenn die Finger ihre Löcher berühren, bleibt der Zeigefinger liegen, während der Mittelfinger zurückschnellt.
Wenn die Strikes mit einer Hand gespielt werden, neigt der schlagende Finger dazu, länger zu verweilen. Dies kann dazu führen, dass der Strike lang genug ist, um als eigenständige Note wahrgenommen zu werden. Dennoch ist es das Ziel, die Dauer so weit wie möglich zu reduzieren.
Hier sind einige Strikes, die Sie in einem irischen Wiegenlied namens Suantree ausprobieren können.
Cuts
Ein Cut ist im Wesentlichen das Gegenteil eines Strikes. Damit werden zwei Noten getrennt, indem ein geschlossenes Loch kurz geöffnet wird, um eine höhere Tonhöhe erklingen zu lassen.
Idealerweise sollte ein Cut so kurz wie ein Strike sein. Um dies zu erreichen, muss die Fingerbewegung minimal und sehr schnell sein. Es klingt vielleicht nicht intuitiv, aber Sie können diese Fähigkeit entwickeln, indem Sie die Bewegung zunächst sehr langsam üben.
Lassen Sie uns lernen, mit dem linken Mittelfinger einen Cut zu spielen:
- Halten Sie die Okarina vor sich, damit Sie deutlich sehen können, was Ihre Finger tun.
- Heben Sie den Finger sehr langsam einige Millimeter über das Loch und legen Sie ihn wieder ab.
- Bei Bedarf kann die rechte Hand verhindern, dass der Finger zu hoch angehoben wird.
Nach ein paar Minuten bis ein paar Tagen wird die Bewegung in das Muskelgedächtnis eingehen, und Sie werden sie schnell ausführen können, ohne den Finger zu hoch zu heben.
In einer Partitur wird ein Cut wie unten gezeigt notiert:
Nun lassen Sie uns es versuchen:
- Greifen Sie ein tiefes F, beginnen Sie die erste Note mit einem Zungenschlag und blasen Sie stetig weiter.
- Artikulieren Sie die drei Viertelnoten, indem Sie mit dem Mittelfinger im Takt jeweils einen Cut ausführen.
Möglicherweise sind Ihre Cuts am Anfang lang genug, um eine wahrnehmbare Tonhöhe zu erzielen. Versuchen Sie, sie um den Takt herum zu zentrieren, und ihre Dauer wird sich mit Übung verringern.


Hier noch einige Hinweise:
- Versuchen Sie, sich zu entspannen. Im Artikel Wie Sie auf der Okarina spielen finden Sie weitere Tipps zum Abbau von Verspannungen.
- Zielen Sie darauf ab, die Cuts oft zu üben. Ihr Instrument ist dabei nicht unbedingt erforderlich; Sie können die Bewegung mit den Fingern am Bein oder auf einem Tisch ausführen.
Griffe für Cuts
Jedes geschlossene Loch kann verwendet werden, um einen Cut zu spielen. Wenn er korrekt ausgeführt wird, spielt die erzeugte Tonhöhe keine Rolle. Das Ziel ist ein möglichst kurzer Klick, deshalb schlage ich Folgendes vor:
- Spielen Sie Cuts auf den Noten unterhalb von A entweder mit dem linken Zeigefinger oder dem Mittelfinger.
- Spielen Sie Cuts auf A, H und dem hohen C mit dem linken Daumen.
- Für Cuts auf D, D♯ (Dis) und E können Sie den linken kleinen Finger verwenden. Der Effekt bei diesen Noten ist jedoch nicht sehr deutlich, deshalb verwende für gewöhnlich eher Strikes.
Sie können diese Regeln jedoch gerne abwandeln, wenn Ihnen mit anderen Griffen kürzere Cuts gelingen.
Es lohnt sich, Cuts auf jeder Note auf dieselbe Weise zu üben, die zuvor für die Strikes gezeigt wurde.
Hier sind einige Beispiele für Cuts in einer schottischen Melodie namens Aiken Drum. Beachten Sie, dass es beim Spielen mehrerer Cuts nacheinander oft einfacher ist, einen Finger für den ersten und einen anderen für den zweiten Cut zu verwenden.
Aufsteigende Cuts spielen
Um einen Cut in einem aufsteigenden Intervall zu spielen, wird der Finger für den Cut gleichzeitig mit dem Finger für die höhere Note bewegt. Dadurch wird ein kurzer Ton in einer höheren Tonhöhe erzeugt.
Das Folgende zeigt einen aufsteigenden Cut auf G. Probieren Sie ihn auf Ihrem Instrument aus.
Absteigende Cuts spielen
Cuts können auch an absteigenden Notenübergängen durchgeführt werden. Dafür muss nur ein Cut mit einem Finger gespielt werden, während ein anderer Finger abgesenkt wird. Die einzige Einschränkung ist, dass für den Cut ein Griff für eine höhere Tonhöhe verwendet werden muss als für die endgültig gegriffene Note. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, den Cut mit mehreren Fingern gleichzeitig zu spielen.
Griffartikulationen in der Praxis
Damit Griffartikulationen korrekt funktionieren, müssen folgende Punkte beachtet werden:
- Ihre Dauer sollte sich nicht mit dem Tempo ändern.
- Sie sollten so kurz sein, wie es Ihre Fähigkeiten erlauben.
- Sie sollten genau im Takt sein.
Der Punkt hinsichtlich der Dauer ist essenziell, denn er bedeutet, dass Griffartikulationen nicht wie Artikulationen mit der Zunge funktionieren. Ihre Dauer sollte sich nicht ändern, denn sie klingen wie verstimmte Noten, wenn sie zu langsam gespielt werden.
Die wahrgenommene Stärke eines Cuts oder Strikes kann innerhalb eines kleinen Bereichs verändert werden. Cuts und Strikes auf einem größeren Loch verursachen eine größere Änderung der Tonhöhe. Der Effekt ist jedoch eher gering.
Als weitere Möglichkeit können Griffartikulationen mit dem Zungenschlag kombiniert werden, etwa ein Cut mit Zungenschlag. Die Note wird mit der Zunge genau zu dem Zeitpunkt begonnen, zu dem der Finger für den Cut angehoben wird. Dies fügt dem Angriff der Note ein ›Zwitschern‹ hinzu und betont die Artikulation.
Bei richtiger Anwendung ergibt sich dadurch ein beträchtlicher Mehrwert:
- Wenn Griffartikulationen über einer Grundlage aus gebundenen Noten verwendet werden, erzeugen sie einen wild fließenden Klang.
- Sie reagieren schneller als Artikulationen mit der Zunge, was bei hohem Tempo hilfreich ist.
Cuts und Strikes würden sich gegenseitig aufheben, wenn sie gleichzeitig ausgeführt würden. Sie können jedoch nacheinander ausgeführt werden. In solchen Fällen ist es üblich, Cuts und Strikes abzuwechseln, um die Arbeit auf verschiedene Finger und gegebenenfalls auf beide Hände aufzuteilen.
Diese Art von Muster wird Roll, Crann oder Birl genannt, je nachdem, in welcher Musikrichtung und wo im Tonumfang es durchgeführt wird. Ein Beispiel dafür ist unten in Jim Wards Jig zu sehen. Diese Muster werden detailliert auf der Seite 'Verzierungen: Rolls, Cranns und Strike Cranns' behandelt.
Die meisten Cuts in diesem Beispiel können mit dem linken Zeige- oder Mittelfinger gespielt werden, die Cuts auf dem B und dem hohen C mit dem linken Daumen. Beachten Sie, dass diese Melodie üblicherweise in D gespielt wird. Die Transposition hier erklingt in der ursprünglichen Tonhöhe, wenn Sie eine Okarina in D verwenden und als transponierendes Instrument behandeln.
Das Problem mit der Notation
Die Notation von Griffartikulationen ist, wie bereits erwähnt, ein komplexes Thema. Diese Art der Artikulation wird hauptsächlich in der instrumentalen Volksmusik der britischen Inseln verwendet. Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels gibt es keine allgemein akzeptierte, eindeutige Möglichkeit, sie zu notieren.
Meine bevorzugte Notation für Griffartikulationen ist Grey Larsens System, wie es in diesem Artikel gezeigt wird. Ein Symbol über der Note zeigt meiner Meinung nach deutlich an, dass eine andere Art der Artikulation beabsichtigt ist, wie sie auch andere Artikulationszeichen wie der Staccato-Punkt vorsehen.
Volksmusiker notieren diese Artikulationen jedoch auch mit Verzierungsnoten, die der klassischen Tradition entlehnt sind. Es gibt zwei Arten davon:
- Appoggiatura (a-po-dschia-tú-ra).
- Acciaccatura (a-tschia-ca-tú-ra).
Appoggiaturas werden als kleine Notensymbole notiert und haben gemäß der klassischen Theorie die Hälfte der Dauer der Note, der sie zugeordnet sind.
Die Acciaccatura wird mit einem Schrägstrich gekennzeichnet und soll ›so schnell wie möglich‹ vor der Note gespielt werden, der sie zugeordnet ist.
Man könnte vielleicht annehmen, eine Acciaccatura sei dasselbe wie eine Griffartikulation, aber es ist nicht ganz so einfach. Soll die Note mit dem korrekten oder einem falschen Griff ›so schnell wie möglich‹ gespielt werden?
Hier werden also zwei Symbole verwendet, um drei verschiedene Fälle darzustellen:
- Eine Note, die die Hälfte der Dauer der übergeordneten Note einnimmt.
- Eine Note, die so schnell wie möglich mit dem richtigen Griff gespielt wird.
- Ein Ton, der durch die Artikulation mit einem falschen Griff entsteht.
Zudem unterscheiden die Beispiele aus der Volksmusik, die diese Notation verwenden, im Allgemeinen nicht zwischen Acciaccaturas und Appoggiaturas. Appoggiaturas werden in allen Fällen verwendet, um die beabsichtigte Interpretation durch einen Cut oder einen Strike anzuzeigen, je nachdem, ob die Verzierungsnote höher oder tiefer als die übergeordnete Note ist.
Ich persönlich mag die Notation von Cuts und Strikes mit Verzierungsnoten nicht, denn Grey Larsens System ist meiner Ansicht nach weniger zweideutig und leichter zu lesen. Diese Aspekte werden im Artikel Notation von Griffartikulationen näher erläutert.