Warum klingen die hohen Noten meiner Okarina verrauscht?

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Okarinas können aus verschiedenen Gründen verrauschte hohe Töne erzeugen. Die häufigsten davon sind Verunreinigungen im Luftkanal und zu sanftes Blasen. Verrauschte hohe Töne sind jedoch auch ein Symptom einer ungünstigen Konstruktion der Okarina.

Möglicherweise blasen Sie nicht stark genug

Ein häufiger Grund für verrauschte hohe Noten bei einer Okarina ist, dass Sie nicht stark genug blasen. Je mehr Löcher geöffnet werden, desto mehr Luft kann aus der Kammer entweichen. Um dies auszugleichen, müssen Sie stärker blasen, sonst wird der Ton immer verrauschter.

Dieser Fehler ist leicht zu erkennen, denn die hohen Töne klingen auch zu tief, wenn Sie zu sanft blasen. Mit einem chromatischen Stimmgerät können Sie die Tonhöhe der Note überprüfen, die Sie greifen. Siehe Stimmig auf der Okarina spielen für weitere Informationen.

Der Windkanal kann verstopft sein

Wenn Ihre Okarina verrauscht klingt, kann dies an Verunreinigungen im Windkanal liegen. Im Laufe der Zeit kann sich Schmutz darin ansammeln, oder auch Insekten können in den Windkanal kriechen. Jedes Hindernis im Windkanal ist ein Problem, denn es erzeugt Turbulenzen und lässt den Ton verrauschter klingen.

Sie können den Windkanal reinigen, indem Sie einen Papierstreifen falten und hindurchschieben. Beachten Sie, dass der Windkanal am Ende des Mundstücks meist deutlich größer ist als an der Stimmgebung. Wenn Ihr Papier stecken bleibt, schieben Sie es nicht mit Gewalt hindurch, sondern reduzieren Sie die Anzahl der Falten. Bei größeren Hindernissen ist es besser, das Papier vom Ende der Stimmgebung durchzuschieben.

Vielleicht blasen Sie in einem ungünstigen Winkel in den Windkanal

Ocarina being blown correctly, creating a smooth air passage from the mouth into the instrument. The ocarina is held parallel with the ground, with the head in a normal upright position
A diagram showing an ocarina being blown at a poor angle, with the ocarina angled sharply down. This will increase turbulence and result in a worse tone

Wie Sie in eine Okarina blasen, hat einen erheblichen Einfluss auf den Klang der hohen Töne. Halten Sie die Okarina so, dass die Luft direkt in den Windkanal strömt. Vermeiden Sie einen ›Knick‹ an den Lippen, denn er kann zu Turbulenzen führen.

  • Halten Sie Ihren Kopf aufrecht und die Okarina gerade und waagerecht vor sich.
  • Verwenden Sie einen Spiegel, um Ihre Haltung zu prüfen.

Sie haben vielleicht eine Okarina mit einem ungünstigen Design

Wenn Ihre Okarina auch nach Überprüfung der drei genannten Punkte verrauscht klingt, ist sie sehr wahrscheinlich von minderwertiger Qualität.

Leider werden Okarinas oft als Dekorationsobjekte oder Mitbringsel hergestellt, die nicht als stimmig klingende Instrumente konzipiert sind. Auf der Seite Spielbare Okarinas erkennen lernen Sie, Okarinas zu erkennen, die als ernsthafte Instrumente entwickelt wurden.

Es lohnt sich nicht, knauserig zu sein, denn ein schlechtes Instrument macht das Spielen für Sie viel schwieriger, als es sein sollte. Im Vergleich zu anderen Instrumenten sind gute Okarinas nicht teuer.

Anmerkung

Möglicherweise ist Ihnen in anderen Quellen der sogenannte acute bend begegnet. Dies ist eine Technik, die angeblich den Klang der hohen Töne einer Okarina verbessert, indem die Stimmgebung durch Ihre Brust beschattet wird.

Meiner Meinung nach ist dies nur ein akustischer Effekt, der die wahrgenommene Lautstärke für den Spieler erhöht, indem der Ton von der Brust ins Ohr reflektiert wird.

Gemäß meiner Beobachtung bei Spielern, die diese Technik anwenden, macht es für die Hörerperspektive kaum einen Unterschied. Es kann sogar schlimmer klingen, da der Klang von der Stimmgebung nach unten gerichtet wird, also weg vom Publikum.

Ich empfehle diese Technik nicht, da sie aus ergonomischer Sicht umständlich ist und in einer Aufführung albern wirkt. Jede Okarina, die mit dieser Technik vermarktet wird, ist ein minderwertiges Instrument.

Möglicherweise beschatten Sie die Fingerlöcher

The right ring finger is close to, and shading the right ring finger hole of an ocarina. The pitch of an ocarina's hole will be affected whenever there is an object in close proximity to it, and having a finger close (a few mm) above a hole will somewhat reduce its pitch. This is generally a problem as it requires more pressure to be used to sound the fingered note in tune, and the note will sound more airy

Auch bei einem offenen Griffloch gibt es eine bestimmte Entfernung, in der ein Finger das Loch ›beschatten‹ kann. Dadurch klingt die Okarina tiefer, als sie sollte. Wenn Sie stärker blasen, um dies auszugleichen, lässt der erhöhte Luftstrom die Okarina verrauschter klingen.

Beobachten Sie sich selbst beim Spielen im Spiegel und achten Sie darauf, dass Sie Ihre Finger weit genug von den Löchern entfernen. Um den Klang unter optimalen Bedingungen zu prüfen, spielen Sie, während Sie die Okarina an den Enden halten, damit sich keine Finger in der Nähe der Löcher befinden.

Ihre Handfläche kann sich im Luftstrom befinden

Bei höheren Noten blasen Sie stärker. Wenn diese schnell strömende Luft auf Ihre linke Handfläche trifft, erzeugt sie ein Geräusch. Halten Sie daher beim Spielen der hohen Töne Ihre Hand außerhalb des Luftstroms.

Mit dem Dreipunktgriff können Sie das Loch für den kleinen Finger öffnen, indem Sie die linke Hand vom Handgelenk aus drehen und dabei den Zeigefinger zum Cappello schwenken.

Air leaving the voicing of an ocarina can impact the left hand and make a noise. This can be avoided if the hand is rotated from the wrist to move it out of the airstream

Durch Ihre Zungenposition können Turbulenzen entstehen

Die Position Ihrer Zunge hat einen großen Einfluss auf die Klarheit des Tons: Das Anheben der Zungenrückseite und das Positionieren der Spitze zu nahe an den Zähnen führen zu einem lauten Ton.

  • Halten Sie die Zungenrückseite immer an der Basis des Mundes.
  • Auch die Zungenspitze sollte an der Basis des Mundes liegen. Dabei liegt sie in einer Linie mit der Lippe und bedeckt die Zähne, außer bei einer Note, die mit dem Zungenschlag gespielt wird.
Zungenrückseite erhoben (schlecht) A demonstration of a poor mouth posture for blowing an ocarina. The rear of the tongue is raised, resulting in turbulence, which will create a noisy tone
Zunge zu nahe an den Zähnen (schlecht) A diagram demonstrating a poor ocarina blowing technique. The tongue is too close to  the teeth, resulting in turbulence and a noisy tone

Es gibt ein weiteres Ventil im Hals, die Glottis oder Stimmritze. Dies ist der ›Deckel‹, der sich schließt, wenn Sie mit offenem Mund den Atem anhalten. Beim Spielen der Okarina sollte die Stimmritze jederzeit vollständig geöffnet sein, da eine Einschränkung auch den hohen Tönen schadet.

Die Okarina mag in Ordnung sein, aber ...

Ihre Wahrnehmung des Instruments gleicht nicht der Ihres Publikums

Die Okarina klingt für Sie anders als für Ihr Publikum. Die hohen Töne erscheinen für Sie verrauschter, weil die Okarina nur wenige Zentimeter von Ihren Ohren entfernt ist. Okarinas weisen zudem eine unregelmäßige Klangprojektion auf. Das heißt, dass der größte Teil der Lautstärke direkt nach vorne geht, also weg von der Stimmgebung – und auch von Ihnen im weiteren Sinne.

Das ist aus Sicht des Publikums kein Problem. Für Zuhörer aus der Ferne ist das Rauschen deutlich weniger hörbar.

Whe you play an ocarina, the majority of the instrument's sound goes directly away from the voicing, and you by extension. The sound you hear as a player is a combination of sound diffracted around the instrument, plus environmentally reflected sound. What you hear is not the same thing listeners hear, and I advise getting someone else to blow your ocarina so you can hear it from a listener's perspective

Daher empfehle ich Ihnen dringend, den Klang Ihres Instruments aus der Sicht eines Beobachters zu beurteilen. Bitten Sie jemanden, in die Okarina zu blasen – vorzugsweise mit guter Technik – und umkreisen Sie die Person. Sie werden überrascht sein, wie unterschiedlich die Okarina für Sie klingt.

Das Geräusch, das Sie hören, wird von der Raumakustik beeinflusst

Das reine Timbre der Okarina ist recht anfällig für ein akustisches Phänomen namens Kammfilterung. Die Schallreflexionen in einem Raum können dazu führen, dass bestimmte Noten lauter oder leiser klingen, als sie tatsächlich sind. Spielen Sie draußen, in einem weiten, offenen Raum, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Ihr Instrument in Wirklichkeit klingt.

Auch die Psychologie ist ein Faktor

Wenn die Okarina Ihr erstes Instrument ist und Sie plötzlich das Rauschen bemerken, kann das ein psychologischer Effekt sein. Aufgrund des selektiven Bewusstseins können Sie leicht übersehen, wie Ihr Instrument klingt.

Wenn Sie zum ersten Mal ein Instrument spielen, ist alles eine bewusste Anstrengung: Ihr Bewusstsein ist mit vielfältigen Techniken wie Atemkontrolle und Griffen beschäftigt. Weil Ihre Aufmerksamkeit dort gebunden ist, können Sie den Klang Ihres Instruments nicht wahrnehmen.

Wenn Sie mehr Zeit mit dem Musizieren verbringen, laufen diese Prozesse bald unbewusst ab, und Sie können besser auf den Klang Ihres Instruments achten. So bemerken Sie plötzlich Aspekte, die immer da waren, aber Sie haben sie nicht bewusst wahrgenommen. Das ist gut so, denn es bedeutet, dass Sie Fortschritte machen.

Die Okarina ist dazu ausgelegt, verrauscht zu klingen

Einige Okarinas wie die von Fabio Menaglio sind darauf ausgelegt, verrauscht zu klingen.

Diese Okarinas wurden für große Konzertsäle entwickelt und haben eine ausgeprägte Stimmgebung für eine hohe Lautstärke. Ein Nebeneffekt dieser Stimmgebung ist ein etwas verrauschterer Klang. Aus Sicht des Publikums ist das kein Problem, denn für Zuhörer aus der Ferne ist das Rauschen deutlich weniger hörbar.

Ein verrauschter Klang ist nicht grundsätzlich schlecht und kann bei manchen Musikstilen sehr effektiv sein. Ein Problem tritt eher auf, wenn die Okarina nicht ausgewogen klingt, mit einem klaren unteren und einem verrauschten oberen Ende.

Mehr Löcher bedeuten mehr verrauschte hohe Noten

Je mehr Löcher eine Okarina hat, desto verrauschter klingen ihre hohen Töne. Dies ist eine Nebenwirkung der verlustbehafteten Physik des Instruments.

Bei einer 10-Loch-Okarina klingen die hohen Töne grundsätzlich klarer als bei einer 12-Loch-Okarina. Der Klang hängt jedoch auch von der allgemeinen Qualität des Instruments ab. Mehrkammer-Okarinas sind in dieser Hinsicht noch besser, da die einzelnen Kammern jeweils nur einen kleinen Teil des Gesamttonumfangs zur Verfügung stellen.

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