Musik für die Okarina anpassen
Früher oder später werden Sie Musik spielen wollen, die nicht in den begrenzten Tonumfang der Okarina passt. Mehrkammer-Okarinas sind natürlich eine Option, doch manchmal lässt sich die Musik auch anpassen.
Mit dieser Technik, die manchmal auch als Falten (Folding) bezeichnet wird, werden einige Noten geändert, um den Tonumfang des Stücks zu reduzieren und den ursprünglichen Charakter dennoch beizubehalten. Sie können eine Melodie auch verändern, um Wiederholungen anders zu spielen, wobei die Änderungen als Variationen des Originals gelten.
Viele der folgenden Beispiele stammen aus Melodien, die ich als ›Set‹ gespielt habe, wobei eine direkt in die andere übergeht. Ich habe sie modifiziert, um einen Wechsel des Instruments zu vermeiden, aber sie könnten auch auf Okarinas in anderen Tonartstimmungen gespielt werden. Beachten Sie auch, dass viele meiner Beispiele unvollständige Melodien sind; ich habe nur die Teile aufgenommen, die zur Veranschaulichung des Faltens notwendig sind.
Eine Note um eine Oktave verschieben
In vielen Melodien erscheint am Anfang eine einzige tiefe Note (in der Regel H, A oder G). Betrachten Sie zum Beispiel die Melodie in der folgenden Notation. Während der erste Teil in den Tonumfang einer Elf-Loch-Okarina in C passt, geht der zweite Teil der Melodie (nicht gezeigt) bis zum hohen G. Die Melodie passt jedoch in den Tonumfang einer Okarina in D, wenn die Eröffnungsnote H einfach eine Oktave höher als notiert gespielt wird. Diese Variante wird weiter unten gezeigt.
Morfa'r Frenhines (The Queen’s Marsh)
Morfa'r Frenhines (gefaltete Version)
Die »Ode an die Freude« ist ein weiteres passendes Beispiel. Das tiefe G erscheint nur einmal und kann leicht durch ein hohes G ersetzt werden. Natürlich ist es besser, das Stück auf einer Okarina in G zu spielen, aber der Austausch führt auch auf einer Okarina in D zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.
Eine ganze Phrase um eine Oktave verschieben
In einigen Fällen kann eine ganze musikalische Phrase um eine Oktave angehoben oder abgesenkt werden. Betrachten wir zum Beispiel »Merch Megan«:
Merch Megan (Megans Tochter)
Der erste Teil dieser Melodie reicht von D bis zum hohen E, sodass er gut in den Tonumfang einer Okarina in C oder D passt. Der zweite Teil bis zu D.C. (da capo, also noch einmal von vorn) ist nicht spielbar, weil er bis zum hohen H reicht.
Da der Abschnitt nie tiefer als bis zum hohen D geht, können wir ihn in den Tonumfang einer Okarina in C oder D bringen, indem wir ihn einfach um eine Oktave nach unten verschieben. Da es sich bei diesem Abschnitt um eine vollständige musikalische Phrase handelt, stört der Übergang nicht.
Diese einfache Änderung klingt gut für mein Ohr, wenn sie allein gespielt wird. Es funktioniert auch perfekt mit der ursprünglichen Melodie in einer Gruppe:
Merch Megan (gefaltete Version)
Beseitigung der Führungstöne
Viele Melodien enden auf einem Führungston, dem Halbton unter der Tonika, wie im folgenden Beispiel:
Wie könnte diese Melodie auf einer Zehn-Loch-Okarina gespielt werden? Im Thema des vorherigen Abschnitts können sowohl der Hauptton als auch die Endtonika um eine Oktave nach oben verschoben werden. Dadurch wird der Tonumfang reduziert, während das musikalische Gefühl erhalten bleibt. Variationen wie diese sind bei jedem Instrument üblich. Wenn eine Melodie mehrmals gespielt wird, ist das eine einfache Möglichkeit, Abwechslung zu schaffen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine Note aus der Harmonie zu spielen. Meistens können Sie den Führungston durch den zweiten Ton der Tonleiter ersetzen. In diesem Fall wird H gegen D getauscht. Dies funktioniert, weil die vorherigen Noten in der Regel zur Tonika führen. Abhängig von der Melodie können Sie, wie gezeigt, einen geraden Ablauf oder eine wiederholte Note haben: zwei Ds vor C in der Tonart C. Beides ist in Ordnung.
Nicht alle Noten sind gleich wichtig
Einige Noten einer Melodie sind wichtiger als andere. Die folgende Melodie, »Hummingbird« von Jamie Smith, ist ein perfektes Beispiel dafür. Da die ganze Melodie ziemlich lang ist, zeige ich hier nur den B-Teil:
Hummingbird (B-Teil)
Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Melodie zu spielen. Sie könnten sie auf einer Okarina in D spielen und versuchen, das hohe A und das H zu verändern. Alternativ können Sie es auf einer Okarina in G spielen und das untere Ende anpassen. In diesem Fall ist die letztere Option besser geeignet, da die Phrase mit dem hohen A und H für das Gesamtgefühl der Melodie wichtig ist. Das tiefe E im letzten Takt ist zwar viel weniger wichtig, aber womit können wir es ersetzen?
Die Note kann durch eine Pause ersetzt werden. Dies ist die sicherste Option, wenn sie mit anderen zusammen spielen. Sie können es auch durch eine lange G-Note oder einen sogenannten Rundown (Ausschnitt aus der absteigenden Tonleiter) ersetzen. Diese Optionen sind unten aufgeführt.
Eine Akkordnote spielen
Der Melodie eines Liedes liegt fast immer eine bestimmte Akkordsequenz zugrunde. Diese Akkorde zu kennen, ist eine große Hilfe bei der Anpassung einer Melodie. Angenommen, Sie wollten das tiefe B (Halbton unter dem H) im folgenden Stück loswerden:
Gwenynen Gwent (Die Biene von Gwent) – Ausschnitt
Der betreffende Note befindet sich in Takt 3. Wenn Sie die Hinweise über der Linie betrachten, sehen Sie den Buchstaben B♭ für den Akkord B-Dur (englisch B♭). Eine schnelle Websuche zeigt, dass dieser Akkord die Noten B, D und F enthält.
Die Note außerhalb des Tonumfangs kann gegen eine dieser Noten ausgetauscht werden, einschließlich des B eine Oktave höher. Experimentieren Sie, um zu sehen, was für eine bestimmte Melodie am besten funktioniert. In diesem Fall finde ich, dass es am besten klingt, wenn das tiefe B durch F ersetzt wird.
Gwenynen Gwent – Ausschnitt – (gefaltete Version)
Es gibt auch Fälle, in denen der Ton außerhalb des Tonumfangs nicht in den Akkord fällt, wie im folgenden Beispiel. Diese Töne werden als Nebentöne bezeichnet. In diesen Fällen empfehle ich, die Struktur der Melodie zu betrachten und ein paar Noten auszuprobieren. Bestimmt finden Sie etwas, das gut klingt.
Wie gut Modifikationen von einem Publikum aufgenommen werden, hängt davon ab, wie gut es die ursprüngliche Melodie kennt und wie sicher Sie spielen. Vertrauen Sie Ihrem Ohr, wenn Sie eine Variation vornehmen. Wenn es nicht richtig klingt, probieren Sie etwas anderes aus.
Wenn es auf einzelne Noten ankommt
In manchen Fällen ist eine einzelne Note außerhalb des Tonumfangs wichtiger, als sie zuerst erscheint, zum Beispiel das einzelne hohe A in »Cooley's Reel«. Dieses hohe A ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Die vorherige aufsteigende Notenfolge führt zu dieser Note, und das A fällt auf einen betonten Taktschlag. Der gesamte vorherige Abschnitt baut die Erwartung an diesen hohen Ton auf, und sein Fehlen wirkt unbefriedigend. Aus diesem Grund glaube ich nicht, dass diese Melodie sinnvoll angepasst werden kann.
Cooley's
Im Großen und Ganzen lassen sich tiefe Töne einfacher verändern als hohe Töne, ohne die Musik zu beeinflussen.
Was, wenn Sie eine Melodie nicht anpassen können?
Manchmal ist es unmöglich, eine Melodie anzupassen. Wenn sie allein spielen, empfehle ich eine Mehrkammer-Okarina, also ein anderes Instrument mit einem größeren Tonumfang. Oder finden Sie eine andere Melodie; es gibt genügend davon in der Welt.
Wenn Sie mit einer Gruppe gemischter Instrumente spielen, können Sie möglicherweise statt des fehlenden Tons einen Ton aus dem Akkord verwenden. Bass-Okarinas eignen sich am besten dafür, da sie eher im Hintergrund bleiben. Ich wäre jedoch vorsichtig damit, einen Akkordton auf einer Alt-Okarina zu spielen, und würde das niemals auf einer Sopran-Okarina tun. Wenn ein Akkordton die Hauptmelodie verdeckt, kann er den Klang der gesamten Gruppe stören.
Beispiele für mehrstimmiges Spiel finden Sie bei irischen und schottischen Volksmusikbands. Diese Gruppen spielen oft einfache zweiteilige Melodien wie »Cooley's Reel« (ich zeige hier nur den A-Teil).
Beim ersten Durchgang der Melodie übernimmt ein Instrument die Führung, während die anderen in Harmonie dazu spielen. Die Führung rotiert während der gesamten Melodie zwischen den Spielern, wobei sie zum Ende hin im Einklang spielen. Dadurch wird im Verlauf der Vorführung eine Entwicklung erzeugt.