Griffartikulationen für die Okarina notieren
Wie in einem früheren Artikel besprochen, sind Griffartikulationen eine Möglichkeit zur Trennung von Noten, bei der kurzzeitig eine höhere oder tiefere Tonhöhe erklingt.
Diese Techniken stammen aus der traditionellen Volksmusik und bilden dort einen Teil des Spielstils. Dabei liefern die Partituren nur die Noten einer Melodie, und die Spieler wenden die Griffartikulationen auf ihre eigene Weise an. Diese Art der Durchführung wird nach Gehör erlernt, indem Darbietungen nachgeahmt werden.
Aufgrund dieser Faktoren gibt es keine eindeutige und allgemeingültige Möglichkeit, diese Artikulationen zu notieren. Es gibt mehrere Ansätze, die größtenteils von Autoren schriftlicher Lehrwerke entwickelt wurden. Diese Systeme unterscheiden sich jedoch stark hinsichtlich ihrer Deutlichkeit.
Die Grey-Larsen-Notation
In seinem Buch The Essential Guide to Irish Flute and Tin Whistle führt Grey Larsen ein System zur Notation von Cuts und Strikes mit Symbolen ein, die über den Noten platziert werden.
- Cuts werden notiert, indem ein keilförmiges Komma direkt über die Note gesetzt wird.
- Strikes werden notiert, indem ein Pfeil nach unten über einer Note platziert wird.
Falls diese Symbole in der Notationssoftware nicht verfügbar sind, kann die beabsichtigte Ausführung auch durch Textanmerkungen kommuniziert werden: ›CT‹ bedeutet Cut und ›ST‹ bedeutet Strike.
Dies ist mein bevorzugtes Notationssystem, weil es meiner Meinung nach die Absicht klar kommuniziert. Es ist platzsparender als die im Folgenden genannten Optionen und ähnelt konzeptionell anderen Artikulationsnotationen, zum Beispiel den Staccato-Punkten. Ich finde es einfach zu lesen.
Das System hat einige Einschränkungen, da es zum Beispiel nicht angibt, welcher Finger für die Artikulation verwendet werden soll. In den meisten Fällen spielt dies jedoch keine Rolle, da korrekt durchgeführte Cuts oder Strikes so kurz sind, dass ihre Tonhöhe nicht wahrgenommen wird. Daher kann im Grunde jeder Griff verwendet werden, je nachdem, was am einfachsten ist.
Wenn in einer Anleitung ein Griff angegeben werden muss, kann dies durch Text erläutert werden. Ähnlich wie bei der Griffnotation für das Klavier können auch Zahlen verwendet werden, um den Finger anzuzeigen, der den Cut oder den Strike ausführt.
Das keilförmige Symbol für den Cut ähnelt einer Atemmarke, wodurch sich hier eine Mehrdeutigkeit ergibt. Mit einer anders gestalteten Atemmarke lässt sich die Verwirrung jedoch leicht vermeiden. Auch ähnelt der Abwärtspfeil optisch der Markierung für einen Aufwärtsbogen bei Saiteninstrumenten. Ich glaube jedoch nicht, dass das stören würde.
Notationen für Verzierungen in traditioneller Musik
Griffartikulationen sind in der irischen und in anderen Volksmusiktraditionen der britischen Inseln weit verbreitet. Die Autoren von Lehrbüchern für Tin Whistle, Querflöte, Geige und ähnliche Instrumente haben Systeme entwickelt, um Griffartikulationen mit klassischen Verzierungsnoten zu notieren.
Verzierungsnoten sind kleine Notensymbole, die vor eine andere Note gesetzt werden. In der klassischen Theorie treten zwei Arten von Verzierungsnoten auf:
- Appoggiatura, ein kleines Notensymbol, das in der Regel optionale melodische Details notiert.
- Acciaccatura, ein kleines Notensymbol mit einem Schrägstrich. Sie zeigt an, dass die entsprechenden Noten ›so schnell wie möglich‹ vor der verzierten Note zu spielen sind – in der Regel mit den dafür vorgesehenen Griffen.
In diesen Notationssystemen bedeutet eine Verzierungsnote über der Grundnote, dass sie mit einem Cut artikuliert werden soll. Eine darunter platzierte Verzierungsnote bedeutet, dass sie mit einem Strike artikuliert werden soll.
Darüber hinaus ist die Notation inkonsistent. Viele Beispiele unterscheiden nicht zwischen Acciaccatura und Appoggiatura. Ich empfehle daher, jede einzeln auftretende Verzierungsnote in einem notierten Volksmusikstück als Cut oder Strike zu behandeln, unabhängig von ihrer notierten Dauer.
Die Platzierung des Kopfes der Verzierungsnote zeigt manchmal den Finger an, der für den Cut oder den Strike verwendet werden soll. In anderen Fällen spielt seine absolute Position keine Rolle:
- Die absolute Notation verwendet Verzierungsnoten, um die Finger für Cuts oder Strikes anzugeben. Das Beispiel der absoluten Notation unten ist für eine Tin Whistle in D und bedeutet einen Cut mit dem C-Finger spielen (dem linken Zeigefinger).
- In der vagen Notation wird eine Verzierungsnote auf der Linie oberhalb oder unterhalb der verzierten Note platziert. Das bedeutet einfach, dass ein Cut oder ein Strike gespielt werden soll, wie in Grey Larsens Notation. Es bedeutet nicht, dass ein Cut auf der nächsten Stufe gespielt werden soll.
Diese Begriffe widerspiegeln die Muster, die ich in echter Musiknotation beobachtet habe. Sie sind jedoch nicht allgemein gebräuchlich.
Auf der Okarina würde ich beide Notationsarten als vage behandeln und die Griffe verwenden, die sich am einfachsten ausführen lassen. Bei einem rohrförmigen Instrument erzeugt ein Cut weiter oben eine höhere Tonhöhe. Aufgrund der akustischen Unterschiede zwischen rohrförmigen Instrumenten und solchen mit Kammern lassen sich die Griffe nicht so gut übertragen.
Strikes werden sowohl in absoluter als auch in vager Notation dargestellt, indem eine Verzierungsnote eine Stufe unter der verzierten Note auf der Tonleiter platziert wird. Dies ist auf eine Einschränkung der Tin Whistle und ähnlicher Instrumente zurückzuführen, da nur am Loch unterhalb des untersten offenen Lochs ein Strike gespielt werden kann.
Es gibt auch Fälle, in denen mehrere Verzierungsnoten vor einer Note auftreten. Dies sind in der Regel Versuche, sogenannte Rolls und Cranns zu notieren.
Leider hat diese Notation oft wenig Ähnlichkeit mit der Art und Weise, wie die Verzierungen gespielt werden. Die folgende Notation zeigt zum Beispiel eine Gruppe von Verzierungsnoten, die als irischer Long Roll gespielt werden sollen, aber auch anders interpretiert werden könnten.
Die Untersuchung aller Variationen dieser Verzierungsgruppen sowie ihrer Ausführungsformen geht über den Rahmen dieses Artikels hinaus. Zahlreiche Variationen wurden von verschiedenen Autoren entwickelt, die dieselbe beabsichtigte Durchführung notieren wollten.
Diese Gruppen von Verzierungsnoten haben ohne zusätzliche Informationen geringe Bedeutung. Ich mag diese Art von Notation nicht, weil sie dem Spieler nicht deutlich mitteilt, was er tun soll. Vorzugsweise sollten deshalb nur die einzelnen Cuts und Strikes notiert werden, wie es im erweiterten Beispiel oben gezeigt wird.
Ich kann das Buch The Essential Guide to Irish Flute and Tin Whistle empfehlen, wenn Sie mehr über die Verzierungen in der irischen Musik erfahren möchten. Es ist eine umfassende Studie und lässt sich leicht an die Okarina anpassen.
Notation für den Highland-Dudelsack
Auch der Highland-Dudelsack verfügt über ein umfassendes System zur Notation von Griffartikulationen. Das Instrument wurde in den 1800er Jahren von der Armee übernommen und in großen Dudelsack-Ensembles verwendet. Zur Koordination der Gruppe wurde eine standardisierte Notation entwickelt.
Der Highland-Dudelsack ist ein eigenständiges Instrument, das in mehrfacher Hinsicht von der klassischen Theorie abweicht. Der Tonumfang reicht von G4 bis A5, mit zwei erhöhten Noten, und ist nicht chromatisch. Dieser Tonumfang kann als eine mixolydische A-Tonleiter oder als verschiedene Modi von D betrachtet werden. Die klingende Tonhöhe des Instruments ist in der Regel höher als notiert, variiert jedoch je nach Instrument.
Bei einem Dudelsack bläst der Spieler in einen Beutel, der als Luftreservoir dient, und der Druck wird durch das Zusammendrücken des Beutels reguliert. Die Luft strömt ständig aus dem Sack durch mehrere Reetpfeifen, darunter den sogenannten Chanter (Melodiepfeife) und eine oder mehrere Drohnen, die einen festen Begleitton spielen.
Aufgrund des stetigen Luftstroms ist es nicht möglich, Noten wie bei anderen Blasinstrumenten mit der Zunge zu artikulieren. Frühere Spieler dieser Instrumente bemerkten, dass sie dennoch den Eindruck von getrennten Noten erzielen konnten, indem sie Töne verwendeten, die so kurz waren, dass sie wie ein Klick klangen. Sie verwendeten für diesen Ansatz besondere Griffe, die die Artikulation erleichterten.
Die Notation für den Highland-Dudelsack stellt diese Griffartikulationen mithilfe von Verzierungsnoten dar, wie traditionelle Volksmusiker es tun. Soweit ich beobachten konnte, wird diese Notation jedoch nicht in derselben Weise wie die klassische Theorie angewandt. Es werden ausschließlich Appoggiaturas verwendet, die je nach Kontext interpretiert werden.
Eine einzelne Verzierungsnote stellt eine Artikulation dar. Sie wird mit kurzer Dauer gespielt und genau auf den Taktschlag oder einen Nebenschlag (Unterteilung des Taktschlags) der verzierten Note gesetzt. Um dies zuverlässig zu erreichen, werden spezielle Griffe verwendet, bei denen ein einzelner Finger kurz angehoben oder schnell gegen das Loch geschlagen wird.
Diese Verzierungsnoten werden recht wörtlich interpretiert. Eine Verzierungsnote auf G bedeutet, das Fingerloch für G kurz zu öffnen (also einen Cut mit dem G-Finger zu spielen).
Die Notation für den Highland-Dudelsack verwendet auch Gruppen aus zwei oder mehr durch Balken verbundenen Verzierungsnoten. Diese Gruppen entsprechen jeweils einer standardisierten Verzierung, zum Beispiel Throw, Grip oder Doubling.
Im Gegensatz zu einzelnen Verzierungsnoten ist aus diesen Gruppen nicht ersichtlich, wie die Verzierung durchzuführen ist. Zudem ist die Beziehung zwischen den Noten und der beabsichtigten Durchführung nicht konsistent.
Die folgende Notation zeigt ungefähr, wie ein Grip aussehen kann. Diese Verzierung wird vor der verzierten Noten durchgeführt. Die beiden tiefen Gs werden mit dem zugehörigen Griff ausgeführt und in der Regel als Noten wahrgenommen. Die verzierende C-Note wird als Cut ausgeführt, indem lediglich das Loch für den C-Finger kurz geöffnet wird.
Viele Verzierungen für den Highland-Dudelsack springen so zum tiefen G, da es die lauteste Note des Instruments ist. Dieses Springen dient zur Betonung.
Das nächste Beispiel zeigt eine andere Verzierung, die als Doubling bezeichnet wird. Es ist eine doppelte Artikulation einer einzelnen Note. Die Verzierung beginnt rhythmisch gleichzeitig mit der verzierten Note und wird mit zwei Cuts durchgeführt. Der erste Cut wird auf den Taktschlag der verzierten Note gespielt, der zweite geringfügig später.
Wie Sie sehen, ist die Notation nicht konsistent. Einige der Verzierungsnoten werden als Cuts oder Strikes gespielt, indem nur ein einzelnes Loch geöffnet oder geschlossen wird. Andere werden dagegen mit den zugehörigen Griffen gespielt, die das Öffnen oder Schließen mehrerer Löcher erfordern.
Die rhythmische Interpretation ist ebenfalls inkonsistent, denn einige Verzierungsnoten werden länger gespielt als andere, obwohl sie in der Notation dieselbe Länge haben. In einigen Fällen geht die Verzierung als Ganzes der verzierten Note voraus, in anderen folgt sie ihr.
Diese Inkonsistenz sowie die fehlende wörtliche Interpretation spielen in der Tradition des Highland-Dudelsacks keine Rolle, da ein Lehrer den Schülern die richtige Ausführung in langsamem Tempo zeigt. Die Schüler lernen, das visuelle Muster der Notation mit der Ausführung zu verbinden, ähnlich wie ein Gitarrist ein Akkordsymbol wie C mit einem bestimmten Griff verbindet.
Als ich mich für diesen Artikel mit dem Studium der Notation für den Dudelsack beschäftigte, erwartete ich, dass die Notation klarer ausdrückt, wie eine Verzierung ausgeführt werden soll. Dies ist jedoch nicht der Fall.
Diese Mehrdeutigkeit könnte leicht aufgelöst werden, indem Acciaccaturas ausschließlich zur Darstellung von Cuts und Strikes und Appoggiaturas zur Notation von Noten mit einer wahrnehmbaren Dauer verwendet würden. Somit wäre die Bedeutung von Gruppen aus Verzierungsnoten klarer.
In dieser Hinsicht trägt die Highland-Dudelsackpfeife noch immer einen Großteil ihres Erbes als Volksinstrument in sich.
Warum Verzierungsnoten zur Darstellung von Griffartikulationen in der Musik für die Okarina mehrdeutig sein könnten
Im Gegensatz zur Tradition der Volksmusik und des Highland-Dudelsacks ist die Okarina-Community weniger isoliert. Die meisten erfahrenen Spieler begannen nicht mit der Okarina, sondern kamen erst dazu, nachdem sie ein anderes Instrument erlernt hatten. Darunter befinden sich Spieler mit verschiedenen Hintergründen, zum Beispiel Volksmusiker und solche mit klassischer Ausbildung.
Die Verwendung von Verzierungsnoten zur Notation von Griffartikulationen kann mehrdeutig sein, da ihre Bedeutung von der klassischen Tradition abweicht. Von den beiden Symbolen für Verzierungsnoten sind Acciaccaturas konzeptuell den Griffartikulationen am nächsten, da sie so schnell wie möglich gespielt werden sollen. Es bleibt jedoch eine Unklarheit bezüglich der Verwendung korrekter oder falscher Griffe sowie des genauen rhythmischen Timings (vor oder auf dem Taktschlag).
In der Technik der Folk Fiddle wird zwischen Verzierungsnoten und Cuts unterschieden. Verzierungsnoten werden ausgeführt, indem eine Saite vollständig auf das Griffbrett gedrückt wird, um die Note erklingen zu lassen. Cuts werden jedoch ausgeführt, indem ein Finger über eine Saite gestreift wird und sie dabei ganz kurz berührt, wodurch sie kurz zum Verstummen gebracht wird.
Auch wenn Sie Anleitungen für den Highland-Dudelsack studieren, wird ersichtlich, dass diese Musiker zwischen Verzierungsnoten und Griffartikulationen unterscheiden, obwohl sie kein Wort dafür haben.
Die alternative Art und Weise der Verwendung und Interpretation von Verzierungsnoten funktioniert für die Community des Highland-Dudelsacks, da sie tief in der Tradition des Instruments verwurzelt ist. Die Spieler lernen, was Verzierungen sind und wie sie ausgeführt werden, während sie das Instrument erlernen.
Bei der Okarina würde es mich jedoch nicht überraschen, wenn einige Spieler bereits Verzierungsnoten verwenden, da sie davon ausgehen, dass diese Noten in der klassischen Theorie als übliche Interpretation gelten. Auch ihre Verwendung zur Notation von Griffartikulationen könnte missverständlich sein. Die Verwendung einer eindeutigen Notation wie jener von Grey Larsen vermeidet dies.
Es ist auch zu überlegen, wie sich die Benennung auf die Verständlichkeit auswirken kann. Es kann verwirrend sein, Cuts und Strikes als Verzierungsnoten zu bezeichnen, da die Leute eine vorgefasste Vorstellung davon haben, was eine Note ist. Griffartikulationen erfüllen nicht dieselbe Funktion und werden nicht in derselben Weise wahrgenommen.
Abschluss
Wenn Sie verstehen, wie Cuts und Strikes in den jeweiligen Musiktraditionen notiert werden, können Sie diese Notation so interpretieren, wie sie beabsichtigt war.
Bei der Notation, die Sie selbst verwenden, können Sie tun, was Sie möchten. Aber beim Teilen oder Veröffentlichen von Musik ist mehr Sorgfalt geboten. Ich würde vorschlagen, Grey Larsens Notation oder etwas semantisch Gleichwertiges zu verwenden, um Mehrdeutigkeiten zu vermeiden.
Wenn Sie Verzierungsnoten zur Notation von Griffartikulationen in veröffentlichter Musik für die Okarina verwenden, empfehle ich Ihnen dringend, eine Beschreibung der beabsichtigten Interpretation beizufügen, da es sonst aus dem Kontext allein nicht klar wird.
Referenzen
- The Piper's Corner: Understanding Bagpipe Music (Website).
- Learning the Great Highland Bagpipes (Ian B. Ferguson)
- Learn to play the Highland Bagpipe (Andreas Hambsch)
- Verschiedene Demonstrationen von Verzierungen am Highland-Dudelsack auf YouTube.
- The Essential Guide to Irish Flute and Tin Whistle (Grey Larsen)
- Mel Bay's Complete Irish Fiddle Player (Peter Cooper)